Sicherer Aufstieg nach neuen Regeln TRBS 2121-2

28.10.2020 11:29

Die Änderungen der TRBS 2121 Teil 2

 

Mit der Veröffentlichung im Gemeinsamen Ministerialblatt (GMBl) Nr. 58/59 am 21.12.2018, trat die Neufassung der Technischen Regeln für Betriebssicherheit TRBS 2121 Teil 2 „Gefährdung von Beschäftigten bei der Verwendung von Leitern“ vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales in Kraft.

 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Leiter ist mit das unfallträchtigste Arbeitsmittel.
  • Deshalb: Alternativen wählen!
  • Wenn Leiter, dann die richtige
  • Leiter als Verkehrsweg bis 5 m, sehr selten > 5 m
  • Leiter als Arbeitsplatz bis 2 m, zeitweilige Arbeiten bis 5 m
  • Bei Arbeiten grundsätzlich Stufen! – Sprossen nur in besonders begründeten Ausnahmefällen
 
1. Für wen gilt die TRBS 2121 Teil 2?

Für Arbeitgeber und deren Beschäftigte.

2. Was sind die TRBS?

Die Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS) geben den Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse für die Verwendung von Arbeitsmitteln wieder.

Durch die Technischen Regeln und Erkenntnisse zur Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) werden die jeweiligen Verpflichtungen bei der Verwendung von Arbeitsmitteln näher bestimmt.

Der Arbeitgeber hat die Regeln und Erkenntnisse bei der Festlegung der Schutzmaßnahmen zu berücksichtigen (§ 4 Absatz 3 Satz 1 BetrSichV).

3. Allgemeiner Teil TRBS 2121

Die Anwendung der TRBS 2121 Teil 2 erfolgt in Verbindung mit der TRBS 2121 „Gefährdung von Beschäftigten durch Absturz – Allgemeine Anforderungen“, die bereits mit Ausgabe Juli 2018 veröffentlicht wurde. Dieser allgemeine Teil der TRBS 2121 beschreibt die Vorgehensweisen für die Ermittlung und Bewertung von Absturzgefahren für Beschäftigte, die bei der Verwendung von Arbeitsmitteln entstehen können. So werden anhand von Beispielen Maßnahmen aufgezeigt, die zum Schutz von Beschäftigten bei Tätigkeiten im Gefahrenbereich angewendet werden können.

Die Neufassung des allgemeinen Teils der TRBS 2121 hat einige wesentliche inhaltliche Veränderungen, die Unternehmen wissen müssen. Besonders betont sei das Wegfallen des Abschnittes, der nach der nun veralteten Fassung, dass Arbeiten ohne PSAgA im Einzelfall zuließ (Arbeiten „ohne alles“) und damit nicht konform mit der BetrSichV war. Damit enthält die Neufassung die Forderung, dass ein Arbeiten in Bereichen mit Absturzgefährdungen gemäß der BetrSichV nur mit Maßnahmen stattfinden darf, die einen Absturz vermeiden. Es gilt also: „Nie mehr ohne!“

Gemäß der BetrSichV ist in der Neufassung zudem die Rangfolge der Festlegung von Maßnahmen zum Schutz gegen Absturz klarer beschrieben: Technische Schutzmaßnahmen haben Vorrang vor organisatorischen und diese wiederum Vorrang vor personenbezogenen Schutzmaßnahmen.

Des Weiteren gibt es Änderungen bei dem Thema „Arbeiten mit persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA)“. Neben begrifflichen Erweiterungen wird nun sehr deutlich beschrieben, was PSAgA umfasst, wie PSAgA als Schutzmaßnahme zu bewerten ist und was man bei der Auswahl berücksichtigen muss. Der Begriff Absturz im Sinne der TRBS 2121 umfasst jetzt auch das Hineinfallen in eine persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz. Damit wird nachdrücklich auf die Risiken der Verwendung von PSAgA hingewiesen. Folgerichtig ist die Verwendung von PSAgA bei der Gefährdungsbeurteilung besonders zu bewerten und es ist eine Bewertung der Eignung der vorgesehenen PSAgA vorzunehmen. Zusätzlich wird in TRBS 2121 die Forderung der BetrSichV konkretisiert, dass die Verwendung persönlicher Schutzausrüstung für jeden Beschäftigten auf das erforderliche Minimum zu beschränken ist.

4. TRBS 2121 Teil 2 - Was ist neu?

Die verschärfte TRBS 2121 Teil 2 fordert seit 2019 explizit Stufen statt Sprossen, wenn Leitern nicht nur zum Aufstieg, sondern auch als Arbeitsplatz genutzt werden. Dazu werden die Einsatzzeiten und -höhen neu geregelt. Bedeutet dies nun das Aus für Arbeiten auf Sprossenleitern? Nein! Denn während alle Stufenleitern die TRBS-Vorgaben ohnehin erfüllen, gibt es auch für Sprossenleitern clevere Lösungen, um diese weiterhin nutzen zu dürfen.

Gefährdungsbeurteilung

  • Ermitteln lässt sich das durch eine Gefährdungsbeurteilung, die immer dokumentiert werden muss und bereits vor Auswahl und Beschaffung der Arbeitsmittel begonnen werden soll
  • Verantwortlich für die Gefährdungsbeurteilung ist der Arbeitgeber / Unternehmer
  • Die mit der Arbeit verbundenen Gefährdungen für die Beschäftigten müssen ermittelt und entsprechende Maßnahmen zum Schutz von Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten umgesetzt werden
  • In der Beurteilung sind alle Gefährdungen einzubeziehen, die mit der Verwendung von Arbeitsmitteln ausgehen und zwar
    • von den Arbeitsmitteln selbst
    • der Arbeitsumgebung und
    • den Arbeitsgegenständen, an denen Tätigkeiten mit Arbeitsmitteln durchgeführt werden
    • Bei der Gefährdungsbeurteilung sind insbesondere die Eignung des Arbeitsmittels für die geplante Verwendung, die Arbeitsabläufe und die Arbeitsorganisation zu berücksichtigen und folgende Punkte zu beurteilen:
    • Arbeitsaufgabe / Verwendung z. B. einzusetzende Körper kraft, Schwierigkeit der Tätigkeit, Höhenunterschiede, Ergonomie, Transport, Aufstellung und bauliches Umfeld.
    • Dauer & Häufigkeit ƒƒ Art des Arbeitsmittels z. B. Bauart der Leiter (Abmessungen, Traglast)
    • Umgebungsbedingungen z. B. Witterung, Wechselwirkungen zur Umgebung, Aufstellort, Untergrund
    • Standsicherheit & Anbauteile
    • Zubehör

Leiter als Verkehrsweg

  • Die Verwendung von Leitern als Zugang oder Abgang von hochgelegenen Arbeitsplätzen ist zulässig, wenn:
    • Der zu überwindende Höhenunterschied maximal 5 m beträgt
    • Wegen der geringen Gefährdung und der geringen Verwendungsdauer die Verwendung anderer, sichererer Arbeitsmittel nicht verhältnismäßig ist
    • Die Gefährdungsbeurteilung ergibt, dass der Zu- und Abgang sicher durchgeführt werden kann
  • Bei der Prüfung der Verhältnismäßigkeit sind die baulichen Gegebenheiten zu berücksichtigen

Ausnahme: Wird die Sprossen- oder Stufenleiter als Zugang nur sehr selten benutzt, dürfen diese Leitern auch bei mehr als 5 m Höhenunterschied verwendet werden.

Leiter als hochgelegener Arbeitsplatz

  • Für Arbeiten bis zu einer Standhöhe von 2 m ist der Gebrauch von Stufen- und Plattformleitern weiterhin uneingeschränkt zulässig
  • Bei einer Standhöhe zwischen 2 m und 5 m dürfen nur zeitweilige Arbeiten auf Leitern ausgeführt werden
  • Überschreitet der Standplatz die maximale Höhe von 5 m ist ein alternatives Arbeitsmittel (z. B. Rollgerüst) zu wählen

In Ausnahmefällen (z. B. Arbeiten in engen Schächten oder bei der Ernte im Obstbau) ist ein Arbeiten auf Sprossenleitern zulässig. Voraussetzung hierfür ist eine Gefährdungsbeurteilung.